Berichte über Reisen nach Innen und Außen

8. Feb, 2017

Am 30.01.1914 wurde Felicitas D. Goodman, als Felicitas Daniels an der ungarisch, rumänischen Grenze geboren. Das genaue Geburtsdatum haben wir ihrem Abgangszeugnis der Höheren Privat-Mädchenschule in Hannover vom Februar 1922 entnommen. Damals war die Familie Daniels gezwungen für einige Zeit von Budapest nach Hannover umzusiedeln. Im Zeugnis wird „der lieben Felicitas“ alles Gute für die Zukunft gewünscht.
Ihr Leben war bewegt und fordernd. Mit viel Willenskraft, Bescheidenheit, Humor und Zuversicht meisterte sie viele Schwierigkeiten.
Im Zuge ihrer genialen Forschungsarbeit hat sie uns den wunderbaren Erkenntnisweg der Rituellen Körperhaltungen erschlossen, bei dem wir die vielfältigen, sinnlichen Wahrnehmungen in der Trance mit den eigenen Erfahrungen verbinden. Sie hat uns aufgezeigt, dass die Möglichkeit die heilsame Trance zu erleben in jedem Menschen, unabhängig vom jeweiligen Lebensumfeld, angelegt ist und angstfrei wahrgenommen werden kann.
Das Foto stammt von einem Maskentanz mit Maskenbau in Cuyamungue/New Mexico 1995

24. Dez, 2016

Seit einiger Zeit treffen sich erfahrene Reisende in der anderen Wirklichkeit zum Erfahrungsaustausch und das über hunderte bis tausend Kilometer Entfernung. Das virtuelle Netz macht es möglich. KollegInnen aus Nord und Süddeutschland und Wien begeben sich am ersten Sonntag im Monat, in der gleichen verabredeten Körperhaltung, in die Trance.

Im Dezember wählten wir, zum zweiten Mal, die noch wenig erforschte Haltung der Frau aus Tisza/Ungarn mit den großen Händen. Sie erweckte unser Interesse im Nationalmuseum in Ungarn durch ihre übergroßen Hände, die rechte Hand mit den gespreizten Fingern, liegt auf dem Bauch, die linke Hand mit den ebenfalls gespreizten Fingern wird von unten hoch zur Brust gestreckt. Ich betone die Streckung, da sie wie eine Fahrkarte in die Trance ist, dieTrance vertieft. Zudem trägt sie einen genetzten Rock, was in ähnlicher Weise, als Mäander- und Rautenmustern an vielen neolithischen Statuetten, wie denen aus Vinca/Serbien und Falkenstein/Österreich abgebildet ist.
Es war wie immer sehr spannend, wie die Erlebnisse in der Trance sich über die große Distanz zeigen werden, ob es ähnlich, wie in gemeinsamer Gruppenerfahrungen vor Ort geschieht, dass viele Parallelen und Gemeinsamkeiten zu finden sind. Auf http://frauenreise.at/index.php/blog. könnt ihr eine Erfahrung mit dieser Rituellen Körperhaltung lesen.

Die Statuette ist im Ungarischen Nationalmuseum in Budapest in der Neolithischen Abteilung zu sehen, sowie im Katalog zur Ausstellung “Prähistorische Keramiken aus Ungarn“ 1972 bis 1973 des Naturhistorischen Museums Wien.

5. Nov, 2016

Eine Multimediale Präsentation

Karin Bindu, Mag.a Dr.in phil. arbeitet als Kultur- und Sozialanthropologin mit ethnomusikologischem Schwerpunkt und als Perkussionistin im Bereich Bildung, Kunst und Kultur sowie in der Flüchtlingsbetreuung.

Schon 1989 begegnete sie in einem Forschungssetting an der Uni Wien den Trancehaltungen nach Felicitas Goodman. Diese begleiten sie nach wie vor und gehöre neben vielen anderen Wirkungen von Musik und speziell als Tranceinduktion zu ihrer im Körper eingeschriebenen Erfahrung.

Der Vortrag führte uns in umfassende Wissensbereiche von Bewusstseins Forschung und zeigte auch das Spezialgebiet von Karin Bindu, die Erforschung indischer Traditionen und Rituale und das Studium der rhythmischen Struktur der Talas auf.

Genaueres ist auf ihrer Website www.rhythmuse.at und in ihrem Buch: Aspekte der Produktion und Kommunikation südindischer Talas im Kutiyattam Bd. 8, LIT-Verlag 2013 zu lesen.

Besonders beglückend waren die Live Demonstrationen an den verschiedenen Trommeln, wie der SchamanInnentrommel und der Mizhavu, den Tablas und dem Daumenklavier. Virtuos fliegen Karin´s Finger beim Spiel über die Trommelhaut. Karin an einem Instrument spielen zu sehen, das meist von männlichen Spielern vorgetragen wird, tut gut. Sie spielt kraftvoll und kenntnisreich. Mit der Vorstellung des Videos von Layne Redmond, die leider schon eine Ahnin ist, wie Karin Bindu es subtil ausdrückte, wird mein Eindruck: "Frauen steht es gut und tut es gut zu trommeln, sie sind einfach Trommelerinnen", bekräftigt. Layne Redmond spielte über viele Jahre die Rahmentrommel und forschte in der Historie nach Vorbildern und Beispielen trommelnder Frauen. Abbildungen gehen bis mehr als 2000 Jahre, in ägyptischen, griechischen und türkischen Kulturen zurück. Sie lehrte viele Frauen mit viel Begeisterung und Inspiration das Spiel der Trommel und es ist sehr beeindrucken, wenn 30 Frauen in wunderschönen Gewändern mit großer Lebendigkeit die Trommeln schlagen.

Abschließend hörten wir ein feines Stück am Daumenklavier. Eine entspannte Plauderei folgte noch bei Keksen und Tee.

7. Jul, 2016

Der Wahrsager aus Tennessee war eine der ersten Rituellen Körperhaltungen die Felicitas Goodman erforschte. Die ausführlich gearbeitete Steinfigur wurde in einem Grab im Bezirk Wilson im Staate Tennessee gefunden und ist etwa 700 Jahre alt. Das Besondere ist, dass diese Figur trotz Nacktheit eine Kappe trägt. Felicitas Goodman hat die Kappe nachgearbeitet und die Erfahrung war, wenn man sie während der Tance trägt, dass die Bilder schärfer und reichhaltiger waren. Felicitas Goodman beschreibt in „Wo die Geiser auf den Winden reiten" dass in dieser Position in der Trance sehr wohl persönliche Fragen beantwortet werden, aber dass das eigentliche Gebiet des Wahrsagers von Tennessee das Ritual ist, also ein gesellschaftlicher Bezug von besonderer Art.
Nun wurde eine weibliche Figur dieser Kultur gefunden und neben der bekannten männlichen Figur im McClung Museum of Natural History and Culture in Tennessee ausgestellt. Dass das Paar zusammengehört sind die Ausstellungsmacher überzeugt, das ist ihrer Meinung nach an den gleichen Ohren, den Lippen mit der Zunge dazwischen und den Falten der Augen klar zu sehen.

6. Jun, 2016

Die lettische Antropologin Marija Gimbutas  1921 - 1994 war eine Spezialistin für den Teil von Europa, vom Baltikum, dem Balkan bis zur Türkei, den sie "Alt Europa" nannte. Jahrelange Recherche führte sie in den Balkan und nach Griechenland, wo sie "...die Göttin nicht suchte, aber fand...". In ihren beiden kostbaren Werken „Die Zivilisation der Göttin“ und „Die Sprache der Göttin“ zeigt sie die Bedeutung der Muster und Formen als Kommunikationsmittel auf, als Sprache. Immer wieder scheinen bei ihren Forschungen zahlreiche Funde der Vinca auf. Im Kanon der Rituellen Körperhaltungen kennen wir eine Statuette dieser Kultur besonders gut und konnten im Ritual tiefgreifende Erfahrungen in dieser Haltung machen. Die Statuette hat die Hände wie Henkel in die Hüften gestützt. Wir nennen sie „die Gefiederte Schlange". Als Seelenführerin spendet sie Trost und Versöhnung. Die Zeichnungen auf den Figuren, die Mäander, Spiralen und Chevrons, die Tiermasken die sie tragen, kündigen von einem differenzierten und geheimnisvolles Geist- und Seelenleben dieser Kultur.