Frau von Dolni Vestonice

Begrüßung im Zentrum PUUN

Vortrag von Maria Marschler und Elfriede Kössler am 20.April 2016

Schön, wenn eine Idee, ein Anliegen aufgeht. Ich, Hermine, bin mit der Frau von Dolni Vestonice schon seit Jahren verbandelt. Es hat mich sehr fasziniert, dass sie vor 30.000 Jahren, lange, lange vor den keramischen Perioden, aus Lehm geformt und gebrannt wurde. Ebenso, dass sie sich durch die genaue, körpergetreue, detaillierte Darstellung auszeichnet. Der KünstlerIn war es wichtig ihre schweren Brüste und die breiten Hüften zu zeigen, den gerundeten Bauch und den deutlich ausgeprägten Bauchnabel. Den Rücken finde ich besonders bemerkenswert. Die Wirbelsäule ist als Vertiefung gekennzeichnet und an den Seiten sind schräge Linien dargestellt, so wie das Gewebe von Frauen ab einem gewissen Alter aussieht, wenn es locker wird. Der Kopf der schwarzen Schamanin wirkt, als hätte sie eine Maske mit Augenschlitzen auf. Zwischen den Augen führen Linien hinab. Die 4 kleinen Grübchen am Scheitel geben Raum für Interpretation. Maria meinte beim Vortag, dass Samen oder kleine Steine darin Platz finden. Ich hatte einmal in der Trance den Eindruck, dass sie kleine Becken sind, die den Regen auffangen. Maria hat uns den Platz Dolni Vestonice nähergebracht. Es wurde besser vorstellbar, wie die Bedingungen vor 30.000 Jahren hier in der Mammutsteppe waren, warum die Menschen hier bei den Bergen und Klippen die vielen Mammuts erlegen konnten und im fruchtbaren Thayatal lebten. Wenn wir die vielen Artefakte betrachten, die in Dolni Vestonice und Pavlov hergestellt wurden, zeigt sich eine Lebensweise von Menschen, denen das Schöne und auch das Nützliche sehr wichtig war. Tausende Steinwerkzeuge und wunderbare Broschen, Spangen, Brustanhänger und Statuetten fanden sich hier. Maria Marschler als Anthropologin wies uns auf die Besonderheit der vorhandenen Bestattungen hin, die einzigartig in Europa sind. Elfriede Kössler als Steinfachfrau und Heilmasseurin führte uns durch die Welt der altsteinzeitlichen Frauenstatuetten. Sie erzählte über die Erlebnisse aus den Trancen in dieser Körperhaltung, die beide Maria Marschler und Elfriede Kössler im Rahmen der Ausbildung zur autorisierten Trainerin für Rituelle Körperhaltungen und Ekstastische Trance nach Felicitas Goodman erforscht und für den Kanon der Körperhaltungen aufbereitet haben.  Sie zeigte Graphiken die nach der Trance angefertigt wurden und diese waren sehr ausdrucksstark und haben Kraft, Hitze, Verbundenheit und Gemeinschaft illustriert. Elfriede las eine Trancegeschichte die in der Haltung der schwarzen Urmutter erlebt wurde und das ließ mich noch tiefer eintauchen in die Steinzeitwelt von Dolni Vestonice. Die Schlussbemerkung von Elfriede Kössler war, dass die Frau von Dolni Vestonice uns ein selbstverständliches Sein in Ruhe, Weite, Sicherheit und Gelassenheit vermittelt und uns daran erinnert im Bewusstsein und Vermögen der eigenen Macht und in Verbundenheit mit anderen Frauen in die Welt zu treten und sie zu gestalten.

 

SHEELA NA GIG UND DIE MUTTERGÖTTIN IM WANDEL DER ZEIT

Sheela na Gig

Präsentation mit Bildern von Mel Merio am 4. März 2016

Im Vortrag über „Sheela na Gig und die Muttergöttin im Wandel der Zeit“ geht es um die Vulva- zeigenden Göttinnen und speziell um das Phänomen Sheela na Gig.

Sheela na Gigs gibt es in England, Schottland, Irland und Wales und es sind insgesamt 163 Darstellungen die man gefunden hat.

Das spannende ist, dass sie meistens auf äußerst prominenten Stellen von Kirchenmauern platziert wurden, wie beim Portal der Kirchen.

Sheelas sind ein Phänomen des frühen Mittelalters. Gemeinsam reisen wir aber auch in die Jungsteinzeit und nach Indien, Afrika und China und reflektieren den Wandel der Darstellung der heiligen Weiblichkeit hinsichtlich auf den dementsprechenden Zeitgeist.

Die Verehrung der Vagina ist ein Kult, welcher seit dem Anbeginn der Menschheit besteht und wahrscheinlich immer schon ein ganz selbstverständlicher Teil unseres Menschseins war und ist. Dieser Kult wurde jedoch in verschiedenen Epochen unterschiedlich gelebt und zelebriert, bis hin zum Mißbrauch, wie es beispielsweise aktuell auch im Rahmen der patriarchalen Störung geschieht.

Mehr dazu am 4.März 2016 um 19.00 in der Buchhandlung Chicklit, Kleeblattgasse 7, 1010 Wien

Britisches Museum

Aghadoe Castle

Shamanta Tatoo

Monica Sjö- Sheela na Gig

"Max Dashu lässt uns Frauen in den Strom der Erinnerungen springen..."

 
Reflexion nach dem Vortrag von Max Dashu am 14.10.2015 von Sylvia Häusler.

Der Hauptgrund für mein Desinteresse an „Geschichte“ während meiner Schulzeit war, dass uns dabei eine schier endlose Reihe männlicher Herrscher mit ihren Kriegen und Machtkämpfen zu lernen aufgetragen wurde – und fast nie Frauen und ihre Beiträge zu Fortschritt und Wohlergehen der Menschheit erwähnt wurden. Sie waren höchstens „Töchter oder Gattinen von“ je-mann-dem. Was nicht sehr ermutigend oder inspirierend für mich war. 

Umso begeisterter war ich von Max Dashu’s Vortrag „Woman Shaman: the Ancients“ am 14. November d. J. im Afro-Asiatischen Institut, den Hermine Brzobohaty-Theuer für das „Felicitas Goodman Institut Österreich“ organisierte.
Dabei durfte ich, inmitten von etwa 65 Frauen  & Männern, einige Kapitel aus ihrer gleichnamigen DVD via Beamer miterleben. Ein Bilderreigen aus aller Welt, der von ausgewählter Musik untermalt wurde, versetzte uns  Anwesende in „Self Empowerment“ und große Begeisterung! 
Max Dashu, US-amerikanische Kulturhistorikerin & feministische Künstlerin hat in den 70’er Jahren die „Suppressed History Archives“ anzulegen begonnen: Eine Sammlung von nunmehr zirka 15.000 Dias, die weltweit entdeckte (Höhlen)malereien, Kultgegenstände und Figuren wiedergeben, auf denen Frauen arbeiten, beten und heilen, Rituale durchführen, jagen und als Göttinnen dargestellt werden. 

Zwischen den Kapiteln beantwortete Max Dashu Fragen aus dem Publikum.
Zum Beispiel sagte sie zur Frage nach Zeitangaben zu Matriachaten:
die Veränderungen innerhalb der menschlichen Gesellschaft seien nicht chronologisch und linear erfolgt, sondern, zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten, quasi „schichtweise“.
Es gäbe auch Bereiche weiblicher Macht innerhalb ansonsten patrilinearer Gesellschaften.
Überhaupt müsse der Machtbegriff im weiblichen Zusammenhang anders gefasst werden: Nicht als Dominanz oder Herrschaft über andere Menschen sondern als Macht mit / im Dienste von / anderen.

 

... und darin baden
Wie erfrischend sich dieser Fluss inspirierender Bilder doch anfühlte! Wie überwältigend die Beweise dafür, dass quer über die Jahrzehntausende überall auf der Welt Frauen wichtige Trägerinnen von Wissen und Bedeutung waren - worüber viele männliche Historiker und Archäologen leider hinweg gesehen haben!
Weil Menschen durch Nachahmung lernen, ist die Feststellung, dass es etwas schon früher und noch viel früher gegeben hat und dass es  sich somit bewährt hat, eminent wichtig dafür, ob sich Menschen davon animiert oder abgeschreckt fühlen. Wie viele Frauen werden und wurden wohl schon von Körpertraining, selbständiger Arbeit oder selbstbestimmtem Singleleben dadurch abgehalten, dass ihnen erklärt wurde, nur MÄNNER seien seit Menschengedenken dazu in der Lage!?
Wer definiert aber das Geschehen seit „Menschengedenken“?
Der- oder diejenige, die Geschichten aufschreiben und verbreiten. Dazu zählen WissenschaftlerInnen genauso, wie KünstlerInnen & Medienleute. Bis heute zeigt beispielsweise der Mainstream-Film Frauen überwiegend als Opfer oder Abhängige.

Wenn wir daher, wie bei diesem Vortrag, Frauen als machtvolle und selbständige Akteurinnen überliefert miterleben, werden wir dazu inspiriert und darin bestätigt, es ihnen nachzutun. Es GAB sie – und kann sie daher im Hier und Jetzt genauso wieder geben. Hoffentlich zahl- und variantenreich!

Sylvia Häusler ist Mitglied des FGIÖ, Psychologin und Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation, www.morelove.at

 

Woman Shaman - Vortrag von Max Dashu

Zeit: Mittwoch 14.Okt. 2015 um 19h im Afro-Asiatischen Institut AAI, Türkenstraße 3, 1090 Wien

Die USA amerikanische Künstlerin Max Dashu kommt nach Europa und nach Wien. Nach dem Frauenmuseum in Wiesbaden und dem  MatrArchiv  St.Gallen konnten wir sie für Wien und das Felicitas Goodman Institut gewinnen. Max Dashu´s Arbeiten über weibliche Spiritualität, Göttinnen, Hexen, Rebellinnen u.v.m.. sind hoch spannend und brisant. Auf ihrer Website, die ein Leckerbissen ist, könnt ihr einen Vorgeschmack über ihr profundes und weitreichendes Wissen erhalten.

http://www.suppressedhistories.net/index.html